
Jedes Bankett erzählt eine Geschichte. Manche beginnen mit einer Illusion.
Louis von Adelsheim & Karl Anton Koenigs
Konstruktive Umsetzung: Stefan Krenger
VERNISSAGE 14. AUGUST 2026
zwischen 19 & 22 Uhr
14. August bis 19. September 2026
Donnerstags bis Samstags 18 bis 21 Uhr

Die Installation
Ein gedeckter Tisch. Das Meer. Spiegelungen. Bewegte Bilder. Eine Installation, die den Besucher Teil ihrer Erzählung werden lässt.
. Ein gedeckter Tisch, acht Meter lang. Hände, die essen, trinken, ein Glas heben. Ein Diner, wie man es sich schöner kaum vorstellen kann – Genuss in Reinform, ein Fest der Sinne. Doch das Meer, das dieses Fest erst möglich macht, zeigt sich auf demselben Tisch von einer anderen Seite. Zwischen den Tellern tauchen Bilder auf, die nicht zur Idylle passen wollen. Was eben noch Genuss war, erzählt plötzlich auch von dem, was der Mensch dem Meer antut – beiläufig, fast unbemerkt, so wie es im echten Leben oft geschieht. Die Galerie 1230 zeigt mit Le Banquet des Illusions eine Installation, die zwei Wahrheiten gleichzeitig erzählt: die Schönheit des Meeres – und den Preis, den es für unseren Genuss zahlt. Beides bleibt sichtbar, gleichzeitig, ohne dass sich der Raum für eine Seite entscheidet. Im hinteren Teil der Galerie wird es stiller. Das Meer füllt die Wand, ruhig und übermächtig zugleich. Eine Standuhr, deren Zeiger sich weigern, geradeaus zu laufen – als hätte auch die Zeit hier ihre Ordnung verloren. Ein zweiter, kleinerer Tisch nimmt das Motiv des Diners noch einmal auf, enger, persönlicher. Am Ende bleibt kein Fazit – nur der Tisch, das Meer, und die Frage, wie beides zusammenhängt.

Das Künstlerkollektiv
Seit 2022 entwickeln Louis von Adelsheim und Karl Anton Koenigs gemeinsame Ausstellungen, in denen Film, Installation und Skulptur zu begehbaren Erzählräumen verschmelzen.
. Seit 2022 arbeiten Louis von Adelsheim und Karl Anton Koenigs gemeinsam an Erzählräumen. Film, Fotografie, Projektion, Skulptur, Installation – aus dieser Mischung entstehen Arbeiten, durch die man nicht nur hindurchgeht, sondern die man mitgestaltet, allein durch die Art, wie man sich in ihnen bewegt. Jede Ausstellung entsteht im Dialog mit dem Ort selbst. Architektur, Geschichte, Atmosphäre – das alles fliesst mit ein und verändert, wie man das scheinbar Bekannte sieht. Die räumliche Umsetzung übernimmt seit vielen Jahren der Konstrukteur Stefan Krenger, der aus den künstlerischen Ideen begehbare Räume macht. Zu den gemeinsamen Arbeiten zählen unter anderem Zwischen den Zeiten, Walking on Water, Emergency Exit, Nacht, egal – ich hör Licht zapfen, Stimmen der Verantwortung und Der Meeresaltar – sowie aktuell Le Banquet des Illusions. Jede dieser Arbeiten sieht anders aus, folgt aber derselben Grundidee: Räume so zu gestalten, dass Wahrnehmung, Erinnerung und Gegenwart sich nicht mehr klar trennen lassen. Aktuell entwickeln von Adelsheim und Koenigs zusammen mit Andrea Brandes ein neues, internationales Projekt: La Batería del Mundo – la cohete Noé. Die Ausstellung eröffnet im April 2027 im Museo de Arte Contemporáneo in Santiago de Chile.

Louis von Adelsheim
Louis von Adelsheim gehört zu den Pionieren der Videokunst in der Schweiz. Schon in den 1980er-Jahren experimentierte er in Bern mit dem damals noch jungen Medium – und entwickelte früh raumbezogene Installationen, in denen Film, Licht und Architektur ineinanderfliessen. Mit dem Elektronischen Altar schuf er eines seiner ersten Schlüsselwerke, das bis heute in seinem Schaffen nachwirkt. Raum, Zeit und Wahrnehmung stehen im Zentrum seiner Arbeit. Seine Projektionen bleiben nicht auf der Fläche, sondern gehen in Dialog mit der Architektur – und mit dem, der davorsteht. So entstehen Bildräume, in denen sich Dokumentation und Imagination nicht mehr eindeutig trennen lassen. Video ist für ihn kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, vertraute Orte neu erfahrbar zu machen. Die räumliche Umsetzung seiner Installationen entwickelte er über viele Jahre gemeinsam mit dem Szenographen Marc Oliver Dörfel. Seit 2005 prägt die Ausstellungsreihe Adelsheim Leuchtet sein Schaffen. Gezeigt wurden seine Arbeiten unter anderem in Bern, Hamburg, New York und Santiago de Chile.
Karl Anton Koenigs
Für Karl Anton Koenigs beginnt jede Arbeit mit einer Zeichnung – egal, ob am Ende eine Fotografie, ein Film, eine Skulptur oder eine Installation daraus wird. Sein Weg begann mit einem Kunststudium an der Middlesex University London, zunächst in der Illustration. Diese zeichnerische Grundlage – der Blick für Form, Komposition, Erzählung – trägt sein Schaffen bis heute. Nach Jahren als Fotograf entwickelte er eine eigene Bildsprache, die ihn von der dokumentarischen Fotografie weg und zu Film, Skulptur und Installation hinführte. Das Studium der Medialen Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln brachte Videokunst und raumbezogene Arbeiten dazu. Schon vor der Gründung des Künstlerkollektivs zeigte Koenigs eigene Ausstellungen, darunter Die brennende Scheune, Zum Blauen Kaktus und Willst du mich verkakeiern. Neben seinen Ausstellungen hat Koenigs auch zwei Bücher veröffentlicht: Portraits of Life und icke und so – auch hier zeigt sich sein Blick für das Erzählerische jenseits des Mediums. Seine Arbeiten entstehen aus genauem Hinsehen und wachsen oft über lange Zeiträume zu vielschichtigen Bild- und Erzählräumen heran. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Medium, sondern die Frage: Welche Form braucht eine Idee, um erzählt werden zu können?

Die Galerie 1230
Mitten in der Berner Altstadt, in der Kramgasse 4, befindet sich die Galerie 1230 – ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart aufeinandertreffen. Das Haus blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Von einer Kapelle ist die Rede, später von einer Metzgerei und vom legendären Theater 1230. Heute begegnen sich hier Film, Fotografie, Skulptur, Installation und Videokunst. Die Galerie 1230 versteht den Ausstellungsraum als Teil der künstlerischen Arbeit. Manche Geschichten sind dokumentiert, andere nur überliefert – und manche entstehen erst im Kopf der Besucher. Galerie 1230 – Seit Jahrhunderten ein Ort für Menschen mit neuen Ideen.
Kramgasse 4
3011 Bern
Suisse
